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Abenteuer auf Ameland: Ein Wochenende voller Entdeckungen

Anreise nach ameland

Das abenteuer beginnt gemächlich in Holwert. 50 Minuten dauert die Überfahrt mit der Fähre nach Ameland, die Sonne scheint, glatte See, alles ganz entspannt. Das Auto blieb auf dem Festland, der Alltag auch. Unser erster Weg führt stracks zu Kiewiet, einem von einem halben Dutzend Fahrradverleihern auf der Insel. Der Fietsverhuur liegt bloß ein paar Gehminuten vom Fähranleger entfernt und kümmert sich obendrein ums Gepäck. Praktisch. Wir mieten ein Pedelec und rollen ein Stück die Straße runter zum Tourismusbüro VVV, versorgen uns mit Landkarte und Ausflugstipps – und das abenteuer nimmt Fahrt auf.

Tag 1: das watt

Tag 1: das watt

Piet fährt mit dem Strandexpress weit in den Osten Amelands. Die Wattwanderung mit Tonio, dem Wattführer, ist ein unvergessliches Erlebnis. Tonio kennt das Watt wie seine Westentasche und erklärt spannend auf Niederländisch und Deutsch, was sich im Watt alles versteckt. Die Kinder staunen über die kleinen Würmchen und Muscheln, die Tonio aus dem nassdunklen Boden gräbt. Nach der Wattwanderung stärken wir uns im Eetcafé De Boerderij in Ballum.

Tag 2: von west nach ost

Tag 2: von west nach ost

Wir radeln wieder von Nes gen Westen. Unser Ziel: der ikonische Leuchtturm vor der Sandbank Bornrif. 236 Stufen führen 15 Stockwerke hoch – und die wollen wir jetzt rauf. Der Rekord im Leuchtturmtreppensteigen beträgt übrigens 48,06 Sekunden! Die Stiegen sind steil und schmal, den Treppenlauf unterbrechen Etagen, auf denen man ausruhen und entdecken kann. Endlich, die oberste Plattform, der Ausstieg ins Freie – und ein umwerfendes Panorama. Vom Leuchtturm aus kann man das Rad einfach rollen lassen. Bis hinein nach Hollum, zu Tante A’n, dem gemütlichsten Restaurant auf Ameland.

Am nachmittag

Am nachmittag

Am Nachmittag warten Piet van Tuinen und sein Strandexpress am Strand von Nes auf Mitfahrer. Der Strandexpress ist ein Bilderbuch-Friese mit markantem Hut vor einem bulligen roten Traktor mit angekoppeltem Passagier-Waggon. Die Fahrt nach De Hôn, abgeschieden gelegen an der Grenze zwischen Nordsee und Wattenmeer, ist beeindruckend. Piet erzählt voller Leidenschaft von Dünen, die wachsen, von Salzwiesen, die sich langsam ausdehnen, von Pflanzen, die Dünen besiedeln und Vögeln, die wieder hier brüten. Dann geht’s zurück nach Nes.

Das bravo

Das bravo

Das Bravo, wenige Meter den Strandweg hinunter, ist ein Strandclub mit betont ungezwungener Atmosphäre und ambitionierter Küche, die auf lokale Produkte setzt. Rindfleisch etwa stammt von Hereford-Rindern, die im Vennoot grasen. Kein Wunder, dass Dry-Aged-Steaks oder „Friesisches Wagyu“ vom Holzkohlegrill hier weggehen wie anderswo warme Semmeln.

Tag 3: strand und meer

Tag 3: strand und meer

Morgens halb neun auf Ameland, Zeit fürs „Blokarten“ bei Nes, eine Kombination aus Windsurfen und Go-Kart fahren. Jesse von Ameland Adventures macht die Strandsegler klar, dreirädrige Buggys mit einem Sitz flach wie eine Sonnenliege, einem Fahrradlenker und einem Seil – und einem mehr als mannshohen Segel. Sein Kollege Nik markiert unterdessen mit Pylonen einen Übungskurs. Alles ganz einfach, behauptet er, während wir unters Segel kriechen, den Po nur Zentimeter über dem Sand. Mit dem Lenker lenken, mit dem Seil das Tempo bestimmen – fest anziehen strafft das Segel und der Wind schiebt uns voran. Locker lassen bei Flaute, wieder den Wind einfangen, langsam immer straffer ziehen, rät Nik. Der Wind bläst schräg, treibt den Buggy auf das Meer zu. „Ganz eng um die Pylone fahren!“, ruft Nik – wir fliegen um die Kurve, das Segel schwenkt herum, ein Hinterreifen hebt sich kurz. Uff. Wir sind zu dritt heute Morgen, und nach und nach werden wir mutiger, die Bögen größer, die Buggys schneller. Man hört Juchzen und Lachen, ach komm, eine Runde noch – wie, schon Schluss? Viel zu schnell vorbei ist die Stunde.

Strandsegeln

Strandsegeln, erklärt Jesse, kann man fast das ganze Jahr hindurch. Auch in größeren Gruppen. Man kann aber auch von erfahrenen Instrukteuren Surfen lernen, Bogenschießen, Powerkiten, Kajakfahren. Sage noch einer, Inselurlaub sei langweilig.

Es ist noch nicht mittag

Es ist noch nicht Mittag, aber Sjoerd hat schon auf. Der Pavillon steht auf Stelzen am Strand, mit riesigen Fensterfronten für den Erste-Reihe-Blick aufs Meer. Hier lässt sich prima Zeit verbringen, auch wenn die Nordsee es mal rauer meint. Vor allem, wenn man einen Platz in der Sofa-Ecke rund um den stylishen offenen Kamin ergattert.

Am nachmittag radeln wir zum hafen

Die WL35 Brakzand, das ehemalige Postschiff, geht auf Fahrt zu den Robbenbänken. Unterwegs lässt Matrose Bernard das Schleppnetz ins Wasser. Und gleich wird er es wieder einholen. Die Passagiere, kleine wie große, drängen erwartungsvoll um ein fast hüfthohes, u-förmiges Wasserbecken. Das Netz wickelt sich hoch, Bernard schüttelt alles, was bislang unter der Meeresoberfläche verborgen war, in einen Bottich und leert ihn sachte in das flache Becken. Was nun kommt, ist große Unterhaltung: Bernard erklärt mit Charme und Witz, woran man bei dieser Krabbe (hält sie hoch) erkennt, ob sie ein Männchen oder ein Weibchen ist. Warum der kleine Fisch mit dem weißen Bauch Wittling heißt. Was es auf sich hat mit Ebbe und Flut und warum das Wattenmeer immer gleich und doch jeden Tag anders ist. Die Augen der Kinder strahlen, wegen Bernard werden viele einmal Meeresbiologin oder Seemann werden wollen, so viel ist sicher. Natürlich auch wegen der knuffigen Robben, die unversehens schon recht nah sind, dort drüben auf der Sandbank. Die Brakzand macht die Motoren aus, auch wir Passagiere, rät Bernard, sollen besser leise sein. Klappt nicht so ganz, ein paar Kinder kieksen begeistert. Den Robben ist das zum Glück egal, eine schwimmt gar unter großem Hallo bis fast ans Schiff heran und schaut neugierig.

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Nach zweieinhalb Stunden ist die Brakzand wieder im Hafen. Kiewiet bekommt sein Bike zurück, wir unser Gepäck, ein wenig Zeit ist noch, bis die Fähre ablegt. Also hinein in „The Harbour“, das legere Hafenrestaurant mit Blick aufs Wattenmeer – von jedem Platz aus. Auch ein Blickfang: die enorme Bar, dazu chillige Musik, auf der Karte Mexikanisches wie Fajitas, Enchiladas, Tacos. Sage noch einer, die Niederländer könnten nur Kibbeling.

Unterstützung

Die Reise wurde unterstützt von visitwadden.nl.