Das Jugendwort des Jahres: 'das crazy'
Verrückte welt
Und das Jugendwort des Jahres ist der kurze Kommentar dazu – das crazy. Zum Ende der Buchmesse in Frankfurt wurde es verkündet, wie immer unter großem Jubel, verhaltenem Staunen und sonstigen Turbulenzen. Jedenfalls ist die weltgrößte Bücherschau an keinem anderen Ort so jung und unkonventionell wie bei dieser Verkündung im Foyer der Halle 4.
Witzig, originell oder auch verstörend
Witzig, originell oder auch verstörend sind die gekürten Wörter ja fast immer. Diese Wahl aber ist ein bisschen tiefgründiger. Denn wenn man nach der ersten Aufregung über das Abstimmungsergebnis das neue Jugendwort ein weniger gelassener betrachtet, ist es eigentlich kaum mehr als eine Floskel und so gesehen ein Nicht-Wort. Denn wer es übersetzen will, kommt über ein "Aha" oder auch ein "Okay" kaum hinaus. Weil "das crazy" eine Reaktion auf etwas ist, was irgendwie verrückt oder auch krass erscheint und nur einen unspezifischen Kommentar verlangt. Eine Äußerung der Verwunderung und des Staunens.
Info
"Aura" siegte im vergangenen Jahr
Finale
In der Schlussabstimmung des jährlich vom Langenscheidt-Verlag organisierten Wettbewerbs waren diese drei Begriffe: "checkst du", "das crazy" und "goonen". Elf- bis 20-Jährige konnten bis zum Dienstag vergangener Woche über das Siegerwort abstimmen.
Das jugendwort
Es wird seit 2008 ermittelt und soll den Sprachgebrauch unter jungen Menschen nachzeichnen. Es wird in einem mehrstufigen Onlineverfahren ausgewählt, bei dem Jugendliche Vorschläge machen und über ihre Favoriten abstimmen. Diskriminierende oder sexistische Begriffe sind ausgeschlossen. 2024 war "Aura" das Jugendwort des Jahres.
Sprachlosigkeit
Wer es ein bisschen grundsätzlicher haben will: Die Sprache der Jugend ist im Spiegel ihres liebsten Wortes die Sprachlosigkeit. Das crazy.
Frankfurter buchmesse
Das alles bringt die Frankfurter Buchmesse, Weltgrößte Bücherschau, Weltgrößte Bücherschau
Das neue jugendwort
Das neue Jugendwort nervt
ein bisschen, weil es so falsch klingt und nicht nur gefühlt etwas fehlt. Nämlich das Verb. Aber "das ist crazy" wäre natürlich kein Wort, sondern ein Satz, der trotz seiner Mickrigkeit keine Chance gehabt hätte. Ein Clou des neuen Jahresjugendwortes ist seine Kürze. Und seine Verachtung der Grammatik. Ein Ausruf im Stenostil (uralte Schreibweise) und wahrscheinlich den kurzen Nachrichten in der Hochgeschwindigkeitskommunikation in sozialen Netzwerken geschuldet.Sprachforscher roland kaehlbrandt
"Deutsche Sprache ist wohlklingend und gar nicht barbarisch" – Sprachforscher Roland Kaehlbrandt
Krisenwort
Sprache spiegelt immer auch das Bewusstsein einer Generation wider, ein bisschen Zeitgeist kommt somit darin auch zum Vorschein. Das crazy kann dann auch als Ausdruck eines Lebensgefühls wachsender Sprach- und Ratlosigkeit gesehen werden. Weil Krisen inzwischen zu Dauerkrisen wurden und so bald nicht mehr aus unserer Welt verschwinden werden: Kriege auch im näheren Umfeld, schwierige Finanzsituationen, Klimawandel. Verlässlich ist nur noch wenig. So locker und leicht das crazy auch über die Lippen geht und natürlich vor allem in Alltagssituationen benutzt wird, so ist es doch auch ein Krisenwort. Ein unbestimmtes Unbehagen schwingt mit im neuen Jugendwort.
Jugendwörter der vergangenheit
Wie langlebig es sein wird? Keine Ahnung. Aber diesen Anspruch hat Jugendsprache noch nie erhoben. Man muss sich nur die Liste der vergangenen Jugendwörter anschauen, um sich an vermeintliche Trends überhaupt noch erinnern zu können. "Smash", "cringe", "Smombie", "Babo" oder "Swag" sind inzwischen für viele wieder erklärungsbedürftig geworden. Dagegen dürfen sich Uraltwörter wie "cool" und "geil" weiterhin einer Zombie-Existenz erfreuen.
Goonen
Verrückte Welt der Jugendsprache: "Goonen" – eins der drei Wörter, die zuletzt zur Auswahl standen, schaffte es nicht zum Siegerwort. Influencer hatten mächtig Aufwand betrieben, um diesen Slang für stundenlange Selbstbefriedigung aufs Siegertreppchen zu bekommen. Das Motiv war eine bescheidene Provokation. Sie wollten erleben, wie Tagesschau-Sprecherin Susanne Daubner die Bedeutung des Wortes am vermeintlich piefigsten Ort deutscher Medien verkünden und erklären würde. Ein wenig pubertär war dieses Ansinnen dann schon.
Boomer-wort des jahres
Eine Gegenwahl gibt es seit dem vergangenen Jahr übrigens auch. Das ist die Kür des Boomer-Worts des Jahres. Die gerät dann eher zu einem Rückblick in graue bis verstaubte BRD-Jahre. Darum nur kurz – Platz eins: "Baujahr" für das Geburtsjahr eines Menschen, Platz zwei die Anrede "Mein lieber Herr Gesangsverein" und auf drei "Schabernack". Legen wir den Mantel des Schweigens über diese Kandidaten und wenden uns einem Jugendwort zu, das nach der Trendstudie "Jugend in Deutschland 2025 im Generationenvergleich" das am stärksten verbreitete Jugendwort ist, das im Finale aber nicht einmal zur Wahl stand: "Digga".
Unser kommentar: das crazy
Unser Kommentar: das crazy.