Insa Blumentritt: Von der Notfallsanitäterin zur Feuerwehrfrau

Ein lächeln und nervosität

Ein großes, warmherziges Lächeln zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab, als Insa Blumentritt der Bergischen Morgenpost gegenübersteht. Sie sei ein wenig nervös, gesteht sie. Dabei erlebt die 40-jährige Ostfriesin seit vielen Jahren wahrlich aufregendere Momente in ihrem Berufsalltag, als ein Interview mit der Lokalpresse.

Eine neue herausforderung

Eine neue herausforderung

Denn Insa Blumentritt ist ausgebildete Notfallsanitäterin und rettet seit 2009 buchstäblich Leben. Mit ihren 40 Jahren entschied sie sich kürzlich allerdings dazu, eine neue Ausbildung zu beginnen. Blumentritt ist derzeit Azubi bei der Feuerwehr Wermelskirchen und eine geschätzte Kollegin, wie bei einem Besuch auf der Wache spürbar wird.

Die feuerwehr in zahlen

Die feuerwehr in zahlen

INFO Die Feuerwehr in Zahlen

  • Hauptamt: Insgesamt arbeiten rund 50 Männer und Frauen hauptamtlich im Brandschutz der Stadt Wermelskirchen.
  • Löschzüge: Die Freiwillige Feuerwehr besteht aus rund 120 Ehrenamtlern, die sich auf vier Löschzüge aufteilen: Stadt Mitte (Löschzug I), Tente/Unterstraße (LZ II), Dhünn/Eipringhausen (LZ III) und Dabringhausen (LZ IV). Besonders gut aufgestellt sind die Löschzüge der Außenortschaften Dhünn und Dabringhausen. Tente/Unterstraße könnte zusätzliche Kräfte gebrauchen.
  • Jugendfeuerwehr: Aktuell bilden 50 Jungs und Mädchen den Nachwuchs der Feuerwehr. Bei größerem Zulauf müsste mit Wartelisten gearbeitet werden.

Ein harter job

Ein harter job

Soeben ist sie aus einem Einsatz zurückgekehrt und steht in voller Montur auf dem Hof vor der Fahrzeughalle. Keine leichte Uniform, berichtet sie. Gute zehn Kilo kommen durch die schweren Schuhe, dicke Hose und Jacke samt Schutzhelm auf die Waage. „Für einen Job bei der Feuerwehr muss man körperlich schon fit sein“, sagt Gordon Jakoby, Gruppenführer und seit gut sieben Jahren mitverantwortlich für die Ausbildung der Feuerwehranwärter. Vor Blumentritt hat der 48-jährige Feuerwehrmann, der seit 1998 im Dienst ist, sichtlich Respekt. Er weiß, dass die neue Kollegin einiges auf dem Kasten hat. Das bewies sie bereits bei der Sportprüfung vor einem Jahr.

Die sportprüfung

„Beim Sporttest müssen die Bewerber zeigen, was sie körperlich draufhaben“, verrät Jakoby. Neben schnellem Drehleitersteigen und Liegestützen müssen die Bewerber unter anderem auch eine 70 Kilogramm schwere Dummy-Puppe über eine bestimmte Strecke und in einer vorgegebenen Zeit ziehen. Jakoby schaut Blumentritt an. „Das ist schon ein Unterschied, ob ich mit 80 Kilo eine schwere Puppe ziehe, oder sie mit 50 Kilo.“ Doch auch das bewerkstelligte die neue Kollegin mit Eifer und Biss. Beim anschließenden Lauf über drei Kilometer in weniger als 15 Minuten oder bei der Schwimmprüfung machte Blumentritt die Konkurrenz sprichwörtlich nass.

Vizemeisterin beim köln-marathon

Für die Kollegen scheint es daher eher wenig überraschend, dass sie in ihren Reihen jetzt eine frisch gebackene Vizemeisterin haben. Denn Anfang Oktober startete Insa Blumentritt beim Köln-Marathon und nahm dort eher spontan an den deutschen Meisterschaften der Feuerwehren im Straßenlauf teil. Zum allerersten Mal, wie sie erzählt. „Ich war schon sehr aufgeregt.“ Rund 25.000 Läufer starteten beim Halbmarathon. Rings um Blumentritt standen die Läufer und warteten auf den Startschuss. „Als dann die Füße aller los taperten und mit dem gleichen Ziel nach vorne liefen, das war schon ein Gänsehautmoment“, erinnert sie sich.

Ein erfolgreicher lauf

Als sie nach ihrem Halbmarathon und nach einer Stunde und 38 Minuten erschöpft, aber glücklich ins Ziel einlief, stand fest, dass sie just Vizemeisterin im Wettbewerb der deutschen Feuerwehren geworden war. Blumentritt lächelt. Vorgenommen hatte sie sich lediglich, das Ziel in maximal einer Stunde und 40 Minuten zu erreichen. Ihre Marke konnte sie um zwei Minuten unterbieten und damit sogar einen neuen Titel mit nach Hause nehmen. Im Nachhinein erfuhr sie, dass die Deutsche Meisterin der Feuerwehren nur 40 Sekunden vor ihr das Ziel erreicht hatte. Ärgerlich. Aber stolz ist sie trotzdem und froh über die Resonanz, die sie während und nach dem Lauf erfahren hat. „Alle, die es bis dahin wussten, haben sich sehr für mich gefreut.“

Fitness und freizeit

Fitness spielt für Blumentritt nicht nur in ihrer Freizeit eine Rolle, wo sie regelmäßig an Laufwettkämpfen teilnimmt – wie zuletzt auch erfolgreich am Firmenlauf. Es ist auch in ihrem Job wichtig. Montags steht für die Feuerwehrleute daher Dienstsport an. In der Halle spielen sie Volleyball. Darüber hinaus gibt es in der Wache einen gut ausgestatteten Fitnessraum, den auch Blumentritt hin und wieder aufsucht. Am liebsten aber läuft sie draußen, an der frischen Luft und über die bergische Topografie. „Für mich, die aus dem flachen Ostfriesland kommt, ist das Laufen hier in Wermelskirchen schon echt was anderes. „Anstrengend, aber auch schön“, sagt Blumentritt.

Mehr frauen in der feuerwehr

Derzeit ist sie eine von insgesamt zwei Feuerwehrfrauen in der hauptamtlichen Wehr. Sie würde sich mehr Kolleginnen wünschen und auch Jakoby hätte nichts gegen einen höheren weiblichen Anteil. Doch er vermutet, dass sich viele Frauen den Job vielleicht nicht zutrauen, obwohl es mittlerweile viele Frauen in den freiwilligen Einheiten gäbe. Gebrauchen könnte die hauptamtliche Wehr definitiv weitere Kollegen. Derzeit seien neun Stellen vakant, berichtet Jakoby. „Drei Positionen pro Wachabteilung.“ Dagegen seien die freiwilligen Einheiten der vier Löschzüge mit insgesamt 120 Ehrenamtlern eher gut bis sehr gut aufgestellt.