Berliner Morgenpost - 27. Juli 2022
Azubis: Nur noch 65,7 Prozent zufrieden in ihrem Job

Berliner Morgenpost - 27. Juli 2022
Berlin - Mehr als 500.000 Schulabgänger haben in diesem Sommer eine Ausbildung begonnen. Doch die Zufriedenheit der Berufsanfänger sinkt. Nach dem DGB-Ausbildungsreport 2026 sind nur noch 65,7 Prozent der Azubis (sehr) zufrieden in ihrem Betrieb. Das ist der niedrigste Wert seit 20 Jahren. Im Vorjahr lag der Anteil bei 71,6 Prozent.
Die Befragung von 13.227 Azubis in 25 Berufen zeigte, dass 50,6 Prozent psychisch überlastet sind. Leistungsdruck, Personalmangel, Schichtdienste, Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen sind die Hauptgründe. Besorgniserregend: 41,7 Prozent der betroffenen Azubis sprechen niemandem über ihre Belastungen.
„Gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten, ausreichend Zeit für Erholung und Aufgaben, die dem Ausbildungsziel dienen, können Belastungen reduzieren“, erklärte DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger.
Jeder Dritte leistet Überstunden: 35,4 Prozent der Azubis arbeiten regelmäßig Überstunden. Etwa die Hälfte erhält dafür einen Freizeitausgleich, 27,5 Prozent konnten nicht beantworten, in welcher Form Überstunden in ihrem Betrieb ausgeglichen werden.
Insgesamt 16,3 Prozent der Azubis übernehmen in ihrem Betrieb Tätigkeiten, die nicht zu ihrer Ausbildung gehören. Fast ein Drittel (29,5 Prozent) hat einen Ausbildungsplatz in seinem Wunschberuf gefunden, 21,7 Prozent landeten in einem Beruf, der zumindest nicht geplant war. 8,4 Prozent bezeichneten ihren Ausbildungsplatz sogar als "Notlösung".
Jeder Fünfte (19,6 Prozent) hat bereits daran gedacht, die Ausbildung abzubrechen. Die Zufriedenheit der Azubis hängt von der Größe des Ausbildungsbetriebs und der Branche ab. Besonders zufrieden sind Verwaltungsfachangestellte, Versicherungs- und Bankkaufleute, Mechatroniker. Am unzufriedensten sind Köche, Einzelhandelskaufleute, Hotelfachangestellte, Verkäufer und zahnmedizinische Fachangestellte.