Ineos: Wirtschaftliche Lage verschlechtert sich weiter
Ein jahr später: wirtschaftliche lage bei ineos
Gut ein Jahr ist es her, dass bei einer Betriebsversammlung bei Ineos in Köln die angespannte wirtschaftliche Lage thematisiert wurde. Auch der Fachkräftemangel sei zunehmend spürbar, hatte die Unternehmensführung mitgeteilt. Jetzt, im Oktober 2025, hat sich die Lage offenbar noch weiter verschlechtert. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls bei der Lektüre einer gerade veröffentlichten Verlautbarung des Chemieproduzenten an der Stadtgrenze zu Dormagen. Das Unternehmen beklagt unfairen Wettbewerb und nennt eine Summe in Höhe von 240 Millionen Euro Extrakosten pro Jahr für Ineos in Köln. Und das wird Konsequenzen haben.
Ausbildung und zukunftsperspektiven
Zum Beispiel bei der Ausbildung. Ineos ist in Köln, Dormagen und darüber hinaus ein angesehener Ausbildungsbetrieb. Für den Ausbildungsstart 2024 hatten sich nach Unternehmensangaben mehr als tausend Jugendliche für einen der Ausbildungsplätze bzw. für eine duale Studiermöglichkeit in naturwissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Berufen beworben. „Wir bilden aktuell 203 Menschen aus“, hieß es am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion. Doch das wird nicht so bleiben. Denn weiter teilte Ineos mit: „Aufgrund der extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage werden wir auch die Anzahl der Auszubildenden und dual Studierenden für die Zukunft anpassen müssen. Unsere Auslastung und die Nachfrage sind zurzeit auf einem historischen Tief. Die CO2-Abgaben und die Energiekosten drücken massiv auf unsere Ergebnisse. Die Planungen für die Einstellungen neuer Auszubildender und dual Studierender für 2026 und darüber hinaus finden gerade statt.“
Unfairer wettbewerb und kosten
Als Teil der chemischen Industrie, die energie- und CO2-intensiv ist, weist Ineos seit geraumer Zeit darauf hin, dass sein Überleben in Europa massiv gefährdet ist. Der Emissionshandel schränke die Wettbewerbsfähigkeit der Branche enorm ein. Verbände, Gewerkschaften und Vertretende der Chemieindustrie sowie aktuell die SPD-Fraktion des Landtags Nordrhein-Westfalen hätten die Problematik erkannt und den Zielkonflikt „Erhalt der Industrie“ und „Emissionshandel“ thematisiert. Doch die Verantwortlichen bei Ineos sagen auch ganz deutlich: „Leider beharrt das Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen unter Ministerin Mona Neubaur auf dem eingeschlagenen Weg und lässt Emotionen statt Fakten sprechen.“
Kosten und abgaben
Fakt sei: Die energieintensive Industrie in Deutschland stehe unter massivem Druck. Die wichtigen Transformationspfade wie Wasserstoffnetze, Elektrifizierung und Kohlenstoffdioxid (CO2)-Abscheidung (Carbon Capture and Storage, CCS) stünden der Industrie nicht zur Verfügung. Schon jetzt würden für den Standort Köln die Kosten für Erdgas 100 Millionen Euro pro Jahr mehr als in den USA betragen. Die Stromkosten seien um 40 Millionen Euro pro Jahr höher als in den USA. Und die CO2-Abgaben seien „auf schockierende 100 Millionen Euro pro Jahr gestiegen“, Kosten die in anderen Regionen nicht anfallen. Für Ineos ist dies unfairer Wettbewerb. Ausgedrückt in Zahlen: Ineos in Köln müsse derzeit pro Jahr 240 Millionen Euro aufbringen, um überhaupt erst mit Unternehmen aus den USA und China in den Wettbewerb treten zu können. Es sei dringend erforderlich, die Energie- und CO2-Abgaben in Europa an den Rest der Welt anzupassen und einseitige Zölle infrage zu stellen. Geschehe dies nicht, seien die Arbeitsplätze von 1,2 Millionen Menschen direkt und fünf Millionen Menschen über die gesamte Lieferkette in der Chemieindustrie gefährdet.
Zukunftsperspektiven
Das sind alles andere als rosige Aussichten. Die wirtschaftliche Lage bei Ineos ist angespannt, und die Zukunftsperspektiven für die Ausbildung und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stehen auf dem Spiel. Die Unternehmen und die Politik müssen dringend handeln, um die Industrie in Europa zu retten und die Arbeitsplätze zu sichern.
Schlussfolgerung
Die aktuelle Situation bei Ineos zeigt deutlich, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen in der chemischen Industrie in Deutschland und Europa immens sind. Die Unternehmen und die Politik müssen gemeinsam Lösungen finden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Arbeitsplätze zu erhalten.