Die Seilbahn in Gruiten: Ein Jahrhundert der Innovation

Einführung

Die Transportierung von Kalkstein aus den Steinbrüchen zu den Kalkwerken war in Gruiten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein vertrauter Anblick. Doch das Dorf selbst blieb von den Bahngleisen verschont. Für die Schmalspurloks, die den Kalkstein transportierten, wurde ein Tunnel unter der Mettmanner Straße gebaut, um das Dorf nicht zu durchschneiden.

Die rheinisch-westfälischen kalkwerke

Die rheinisch-westfälischen kalkwerke

Nach dem Bau des Tunnels übernahmen die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke in Dornap (RWK) alle Betriebseinrichtungen. Die RWK planten, eine Seilbahn von Grube 7 zum neuen Werk an der Fuhr zu bauen, um die Transportkapazität zu erhöhen. Die Gruitener setzten sich jedoch durch, sodass die Seilbahn um das Dorf herum gebaut wurde.

Der bau der seilbahn

Der bau der seilbahn

Die Seilbahn führte von Grube 7 über die Anhöhe zwischen dem Friedhof am alten Nikolausturm und dem Haus Kämpchen an der Mettmanner Straße. Nach dem Abstieg ins Tal musste sie mit einer Winkelstation zwischen den Höfen Heinhausen und Im Grund nach Südosten gelenkt werden, um das Werk an der Fuhr zu erreichen.

Betrieb und leistung

Die Montage der Seilbahn durch die Firma Bleichert aus Leipzig begann am 1. Juli 1925 und ging schon gut dreieinhalb Monate später in Betrieb. Die Strecke betrug jeweils 3,1 Kilometer. Jede Lore konnte eine Tonne Kalkstein transportieren und war bis zur Entladung am Werk 48 Minuten unterwegs. Anfangs kamen am Werk täglich 50 bis 60 Loren an, später mindestens 90.

Stillstand und wiederinbetriebnahme

Die Seilbahn stand 1929/30 für etwa eineinhalb Jahre still, aufgrund der schlechten Wirtschaftslage. Sie wurde ab und zu geschmiert und für ein paar Proberunden laufen gelassen, um zu verhindern, dass sie einrostete.

Ende der seilbahn

1962 wurde der Seilbahnbetrieb eingestellt und die Anlage im September desselben Jahres demontiert. Der Tunnel wurde erheblich verbreitert, sodass der Kalkstein mit Schwerlastkraftwagen transportiert werden konnte.

Betreuung der seilbahn

Über fast die gesamte Betriebsdauer hat Fritz Lützenkirchen, der aus einer Gruitener Familie stammte, die Seilbahn betreut. Erst als Angestellter der Leipziger Firma Bleichert, dann als Angestellter der RWK. Erst einige Monate, bevor die Seilbahn abgebaut wurde, ging er in den Ruhestand.

Einziges unglück

Am 1. November 1939 hingen sich Loren der Seilbahn aus und schleiften über das Sicherheitsnetz, das die Mettmanner Straße überspannte. Einige Loren stürzten auf das Feld neben der Straße, andere prallten zusammen, aber es gab glücklicherweise nur Sachschaden.

  • Die Seilbahn war nicht mehr erforderlich, da der Tunnel erheblich verbreitert wurde.
  • Die Seilbahn sollte ursprünglich über Teile des Dorfes hinwegführen, was die Gruitener verhinderten.