Wichtige Entwicklungen in Ägypten könnten in die Geschichtsbücher eingehen
Was in diesen tagen in Ägypten passiert, könnte – wenn alles gut geht – in die geschichtsbücher eingehen.
Es geht zwar erst einmal um ein Ende des Gaza-Kriegs und die Befreiung der Hamas-Geiseln. Und das kann nach zwei Jahren unermesslichen Leidens nicht hoch genug eingeschätzt werden. Doch erstmals seit Jahrzehnten besteht wieder die Chance, dass ernsthafte Schritte zur Lösung des Nahostkonfliktes gegangen werden.
Heute ist vieles anders als noch zum Zeitpunkt des Hamas-Massakers vor zwei Jahren. Vor allem gibt es ein neues Kräfteverhältnis in der Region. Es sind neue Bündnisse von Akteuren aus arabischen, muslimischen und europäischen Ländern entstanden, die den 20-Punkte-Friedensplan von Donald Trump mitentworfen haben – und mit neuer Entschlossenheit bereit sind, ihn umzusetzen. Weil Trump so unberechenbar ist, haben sie mehr Eigenverantwortung übernommen. Mit immer neuen Vorschlägen und Initiativen bieten sie dem US-Präsidenten Ideen, die er für seine Manöver nutzen kann.
Wichtig ist auch: Mächtige arabischen Staaten – selbst Katar - haben sich dazu bekannt, dass die Hamas in der Region keine Zukunft mehr hat. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat wiederum mit der Ausweitung des Gaza-Kriegs und mit dem Angriff auf die Hamas in Katar den Bogen überspannt – auch nach Maßstäben von Donald Trump: Netanjahu musste Katars Regierungschef um Verzeihung bitten, Trump sicherte dem Emirat militärischen Beistand zu.
Der Nahe Osten hat sich seit dem 7. Oktober 2023 grundlegend verändert – auch deshalb steigen die Chancen darauf, dass ein Weg zum Frieden sich öffnet. Israelische Luftschläge auf den Iran haben gezeigt, dass der Erzfeind schwächer ist als vermutet. Teheran hat Macht verloren, die Golfstaaten an Macht gewonnen. Weitere Feinde Israels - das Regime von Baschar al-Assad in Syrien und die Hisbollah im Libanon sind entmachtet oder deutlich geschwächt. Es ist also eine gute Zeit, einen Schlussstrich unter den Nahostkonflikt zu ziehen.
Klar ist, ein jahrzehntelanger Konflikt löst sich nicht über Nacht. Vermittlungsbemühungen können jederzeit Scheitern, neue Gewalt ausbrechen. Donald Trump hat nun eine Gelegenheit am Schopf gepackt. Das sollte man anerkennen, ganz gleich, was man sonst von ihm hält. Damit die Vermittlungen erfolgreich sind, müssen aber alle Länder mitmachen, die Einfluss auf die Konfliktparteien haben, und sich, wie Deutschland, nach einem Waffenstillstand am Wiederaufbau des palästinensischen Gazastreifens beteiligen wollen. Dann könnten die aktuellen Gespräche in Kairo der erste Schritt auf einem langen, sicherlich mühsamen Weg zum Frieden sein.