Alexander Theyssen: Von Hilfarth nach Süditalien

Hilfarth: traditionelles korbmacherhandwerk

Der Hückelhovener Stadtteil Hilfarth ist idyllisch an der Rur gelegen. Das Handwerk der Korbmacher hat in dem Dorf eine lange Tradition. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts war das Korbmacherhandwerk prägend in Hilfarth – und auch heute noch sind die Bewohner stolz auf die Geschichte und die Tradition.

Alexander theyssen: ein leben zwischen kontinenten

Alexander theyssen: ein leben zwischen kontinenten

Aus einer solchen Korbmacherfamilie stammt auch Alexander Theyssen. Seinem Heimatort hat er aber schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt. Er wollte raus in die Welt, an anderen Orten leben und arbeiten. In Süditalien hat er schließlich eine neue Heimat gefunden.

Ausbildung und berufsweg

Schon in jungen Jahren habe er das Verlangen gehabt, neue Dinge zu sehen und zu erleben, erklärte Theyssen im Gespräch mit unserer Redaktion. So zog es ihn bereits Mitte der 90er-Jahre über die Grenze in die Niederlande, dort sammelte er erste Auslandserfahrungen. Lange Jahre war er als Führungskraft tätig, bis er vor knapp zehn Jahren eine Entscheidung getroffen hat, die sein Leben nachhaltig verändern sollte.

Selbstständigkeit und coaching

Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits eine Schweizerin mit italienischen Wurzeln als Partnerin gefunden, die Familie hat einen Olivenhain, der Jahr für Jahr eine reichhaltige Ernte abwirft. Theyssen wagte den Schritt in die Selbstständigkeit, hatte in der Schweiz eine Coaching-Ausbildung gemacht. Fortan sollte nun dieser Bereich sein Leben bestimmen.

Arbeitsweise und klienten

Angefangen mit Business-Coaching konzentrierte er sich mit der Zeit mehr und mehr auf den privaten Bereich – und ist nun Ansprechpartner für ganz verschiedene Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und Problemen. "Manche sind unzufrieden in ihrem Beruf oder in der Beziehung, haben einen Trauerfall zu verarbeiten oder wollen generell ihre Komfortzone verlassen", schildert Theyssen. Außerhalb des natürlichen Umfelds auf dem Olivenhain versucht der Hückelhovener, diese Themen mit den Klienten anzugehen.

Kulturelle unterschiede

Im Laufe der Jahre hat der gebürtige Hückelhovener immer mehr Unterschiede zwischen dem Leben im Rheinland, in der Schweiz und in Süditalien festgestellt. So werden in der Schweiz beispielsweise genau um 9 Uhr (znüni) und um 16 Uhr (zvieri) Kaffeepausen eingehalten. Auch wenn Deutsch eine von mehreren Amtssprachen in der Schweiz ist, gibt es sprachliche Feinheiten, die gravierende Unterschiede ausmachen können.

Lebensstil und werte

Die Unterschiede zwischen Deutschland und Italien seien da schon größer. "Der Großteil des Einzelhandels in Italien schließt in der Zeit von 13 bis 17 Uhr die Läden und hält in dieser Zeit Mittagspause. Zum einen, um mit der Familie zu essen, und zum anderen, um den sehr hohen Sommertemperaturen in diesen Stunden zu entgehen", erklärt Theyssen. Auch habe der Italiener beim Autofahren ein entspannteres Verhältnis zur Hupe, die werde auch beim Überholvorgang als kurze Ankündigung verwendet.

Gemeinsamkeiten und wurzeln

Bei all den Unterschieden gibt es aber auch einige Punkte, in denen sich die Menschen in Deutschland und in der Schweiz sehr ähneln. Genauigkeit und Pünktlichkeit gehören beispielsweise dazu. "Wenn es heißt, wir treffen uns um 10, dann ist man auch spätestens um 10 Uhr da, eher um 10 vor 10", betont Theyssen. Auch Sauberkeit und Ordnung werden gleichermaßen als wichtig angesehen.

Bezug zu den wurzeln

Trotz seines internationalen Lebens hat Alexander Theyssen den Bezug zu seinen Wurzeln nie ganz aus den Augen verloren. "Wann immer ich in Hilfarth bin, gehe ich am Korbmachermuseum vorbei", betont Theyssen. Und auch an seine Jugendzeit habe er schöne Erinnerungen, etwa Freundschaften, die bis heute halten und die nach wie vor gepflegt werden.