Polizei sucht nach Tätern und Beute nach Raub historischer Juwelen im Louvre
- Nach dem raub historischer juwelen aus dem pariser louvre sucht die polizei intensiv nach den tätern und der beute.
- Die entwendeten juwelen
- Reaktionszeit und flucht
- Widerstandszeit und polizeipräsenz
- Skrupellosigkeit der täter
- Trend zur gewalt
- Rohstoffeinbrüche und organisierte kriminelle
- Sicherheitsmängel und risikoanalyse
Nach dem raub historischer juwelen aus dem pariser louvre sucht die polizei intensiv nach den tätern und der beute.
Derweil blicken Beobachter und Experten mit Erstaunen auf den Überfall von Sonntag. „Die Informationen, die uns bisher vorliegen, zeichnen ein Bild, das uns ein bisschen überrascht hat“, sagt Remigiusz Plath im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Gebäudemanagement und Sicherheit beim Deutschen Museumsbund.
Die entwendeten juwelen
Zu dem entwendeten Diebesgut im Louvre zählen ein Diadem der Kaiserin Eugénie mit fast 2000 Diamanten und eine Kette mit 32 Smaragden und 1138 Diamanten, die Marie-Louise, der zweiten Ehefrau von Napoleon Bonaparte gehörte. Zu dem Einbruch kam es am Sonntagmorgen eine halbe Stunde nach Museumsöffnung. Die Täter entkamen auf Motorrollern.
Reaktionszeit und flucht
Sicherheitsexperte Plath verweist darauf, dass der Raub vier bis sieben Minuten dauerte. „Das hört sich jetzt nicht nach viel Zeit an. Aber im Kontext von Überfällen – insbesondere mitten am Tag, wo viel Polizeipräsenz in der Nähe ist – ist das schon relativ lang“, sagt er. Das deutet aus seiner Sicht darauf hin, dass nicht schnell genug reagiert wurde.
Widerstandszeit und polizeipräsenz
Aus den Schutzvorrichtungen ergibt sich eine sogenannte Widerstandszeit, wie der Experte erklärt. Sie soll der Polizei Zeit verschaffen. „Bei Museen in Innenstadtlage geht man von einer Reaktionszeit von drei bis fünf Minuten von der Polizei aus“, sagt Plath. Möglicherweise sei die Polizei in Paris von der falschen Seite angefahren, vermutet Plath. Den Experten wundert zudem, dass die Täter auch bei der Flucht nicht festgenommen werden konnten.
Skrupellosigkeit der täter
Laut Plath hätten die Louvre-Banditen ein großes Maß an Skrupellosigkeit an den Tag gelegt – ein Vorgehen, das immer wieder Erfolg zeige. „Je frecher man ist, desto mehr hat man das Glück manchmal leider auf seiner Seite“, sagt er. Ähnlich sei das beim Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden (2019) und dem Diebstahl der berühmten Goldenen Münze aus dem Bode-Museum in Berlin (2017) gewesen. „Da war viel Glück dabei und ich gehe davon aus, dass es auch hier der Fall war. Das war zum Teil kein raffiniertes Vorgehen, sondern eher gewalttätig und schnell.“
Trend zur gewalt
Überfälle wie die in Berlin, Dresden und jetzt in Paris zeigten eine beunruhigende Entwicklung. „Wir beobachten einen Trend, dass viel Gewalt angewendet wird“, warnt Plath. „Das heißt: In möglichst kurzer Zeit rein und unter den Nagel reißen, was man haben und später veräußern kann.“ Dabei würden die Täter „keine Rücksicht auf Verluste an dem Artefakt selbst“ nehmen. Die Entwicklung sei in „den letzten fünf bis zehn Jahren aufgekommen“.
Rohstoffeinbrüche und organisierte kriminelle
Früher „wurde Kunst gestohlen, weil man die Kunst haben wollte“. Bei den großen Überfällen der vergangenen Jahre handelte es sich zumeist um sogenannte Rohstoffeinbrüche. „Also Einbrüche, bei denen es den Tätern nur darauf ankommt, die Rohstoffe unter zum Teil größter Gewalt zu entwenden“, erklärt Plath. „Es geht nur darum, das Gestohlene zu veräußern und dann in Geld umzutauschen.“ Den Louvre-Raub würde er nach aktuellem Kenntnisstand in diese Kategorie einordnen. Überfälle in früheren Jahrzehnten hätten noch andere Hintergründe gehabt. „In den 1970er, 80er und 90er Jahren hatte man Kunst gestohlen, weil man die Kunst haben wollte“, sagt der Experte. Die Drahtzieher von heutigen Überfällen seien hingegen wohl organisierte Kriminelle auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten.
Sicherheitsmängel und risikoanalyse
Plaths Einschätzung zufolge sind Museen heute bedrohter als noch vor einigen Jahren. „Das gab es vor zehn, 15 Jahren noch nicht. Da sehen Sie schon eine Kurve, die nach oben geht“, so der Experte. Konkrete Zahlen zu Diebstählen in Deutschlands Museen würden allerdings nicht zentral erfasst. Ein Problem: Vor allem kleinere Häuser würden Diebstähle in vielen Fällen gar nicht mitbekommen. „Die größte Anzahl von Beschädigungen und Diebstählen in Museen kennen wir gar nicht“, führt der Fachmann aus. Nach dem Louvre-Raub seien Kunstsammlungen in Deutschland im Moment damit beschäftigt, eigene Risikoanalyse zu erstellen. „Bei den Museen, die bei uns im Arbeitskreis sind, laufen die Drähte gerade heiß“, so Plath.