Lukas Gradtke: Der junge Politiker aus Neuss
Alles begann im sommer vor fünf jahren
In Nordrhein-Westfalen standen die Kommunalwahlen 2020 vor der Tür, als Lukas Gradtke ein Praktikum im NRW-Landtag absolvierte. Der Neusser CDU-Abgeordnete Jörg Geerlings ermöglichte ihm damals, Einblicke in die Landespolitik in Düsseldorf zu erhalten – und setzte damit den Grundstein für das politische Engagement des heute 24-Jährigen.
Einstieg in die politik
Gradtke trat der Jungen Union bei und wurde Wahlhelfer für den damaligen Bürgermeisterkandidaten der CDU in Neuss, Jan-Phillipp Büchler. „Mir hat es einfach Spaß gemacht, an den Infoständen zu stehen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt Gradtke. Studieren wollte er nie, er sei jemand, der direkt mit anpackt. „Ich war schon immer ein pragmatischer Typ“, sagt der Sachbearbeiter einer Versicherung.
Erster wahlsieg
Fünf Jahre später trat er selbst bei der Kommunalwahl an – und wurde für seinen Wahlbezirk auf der Morgensternsheide in den Stadtrat gewählt. „Ich bin im Neusser Norden aufgewachsen. Meine Leidenschaft für Lokalpolitik ergibt sich schon durch meine Verbundenheit zur Nachbarschaft“, sagt er. Gradtke ist Mitglied im Schützenverein, zudem engagiert er sich im Neusser Karneval bei den „Blauen Funken“.
Engagement im wahlkampf
Im Wahlkampf zog er hier mit Bürgermeisterkandidat Axel Stucke und der neuen Landrätin des Rhein-Kreis Neuss, Katharina Reinhold (beide CDU) von Haustür zu Haustür. „Mir war es wichtig, den direkten Dialog mit den Leuten zu suchen“, sagt Gradtke. Vielfach sei es dabei um das Thema Sicherheit gegangen – in Neuss wurde darüber also auch schon vor der „Stadtbild“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz diskutiert.
Stellung zu merz' aussage
Zu Merz´ Statement erklärt Gradtke: „Ich glaube, dass der Bundeskanzler das Richtige gemeint hat. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass er seine Worte differenzierter wählt.“ Die Gesellschaft werde durch solche Aussagen nur noch mehr gespalten. Für den 24-Jährigen muss klargemacht werden, wer gemeint ist. „Bezogen auf Menschen, die sich nicht an gesellschaftliche Regeln halten und kriminell werden – stehe ich hinter der Aussage“, sagt er. Auf keinen Fall aber dürfe man Menschen mit Migrationshintergrund unter Generalverdacht stellen. „Vor allem diejenigen nicht, die integriert und ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft sind“, sagt er. Gradtke stehe für Vielfalt und Offenheit gegenüber allen Nationalitäten. Werte, für die auch sein Schützenzug „Scheibenschützen 32er“ auf der Furth stehe.
Zukunftspläne
Um das Sicherheitsgefühl der Anwohner zu verstärken, wolle er sich im Stadtrat für mehr Präsenz des Ordnungsamtes auf den Straßen einsetzen. Ein Projekt, das dem 24-Jährigen persönlich am Herzen liegt, ist die Mobilität im Neusser Norden. Der Bau der Bahnhaltestelle, die schon seit Jahren im Gespräch sei, könnte Ende des Jahres 2026 abgeschlossen werden. So heiße es jedenfalls laut der verantwortlichen Regiobahn. Doch ein Versprechen, was den Zeitplan angeht, könne er nicht abgeben. „Da sitzen verschiedene Interessengruppen am Tisch, die mitreden wollen“, sagt Gradtke und blickt auf die Baustelle am Bahnübergang, wo auch ein zusätzliches Gleis entstehen soll. „Eine direkte Anbindung zum Krankenhaus wäre ein enormer Fortschritt“, sagt er.
Belange der jungen menschen
Vor allem die Belange der jungen Menschen in seinem Wahlbezirk habe er sich für die nächsten fünf Jahre zur Aufgabe gemacht. Gradtke wolle helfen, dass Kinder Chancen auf gute Bildung und eine Jobperspektive nach ihrem Abschluss haben. Deshalb habe er sich auch für den Schulausschuss im neuen Stadtrat eingetragen. Am siebten November findet dessen konstituierende Sitzung statt. Dann wird Gradtke zum ersten Mal mit den anderen 63 Mandatsträgern die Politik in Neuss aktiv mitgestalten. Die Mitglieder der übrigen Fraktionen sieht er dabei nicht als Gegenspieler an. „Ich habe beispielsweise einen Bekannten aus meinem Grenadierzug, der bei der SPD ist“. Um auf kommunaler Ebene voranzukommen, müssten alle demokratischen Parteien zusammenarbeiten.
Unterstützung und zukunftswünsche
Den Abend der Kommunalwahl am 14. September verbrachte Gradtke unter anderem mit seinem Vater zusammen – und das aus gutem Grund. „Kommunalwahlkampf geht nicht ohne Familie“, sagt er. Er habe von seinen Eltern, seiner Tante und Schwester große Unterstützung erfahren. Über zehn Freunde und Verwandte halfen ihm beim Aufhängen der Plakate. „Wir sind die soziale Opposition gegen die sich anbahnende GroKo“ – die Morgensternsheide ist Gradtkes Heimat. Deshalb denkt er auch nicht daran, aus dem Neusser Norden wegzuziehen. „Ich fühle mich wohl hier. Mein Mandat im Stadtrat ist für mich zugleich Verantwortung, den Leuten für ihr Vertrauen etwas zurückzugeben“, sagt er. Für die Zukunft wünscht sich der 24-Jährige, dass sich noch mehr junge Menschen in Neuss für Kommunalpolitik interessieren.