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Nicolas Sarkozy beginnt seine Haftstrafe

Ein schwarzer renault mit polizeieskorte

Am Dienstagmorgen (21. Oktober) fuhr ein schwarzer Renault mit großer Polizeieskorte vor dem Pariser Gefängnis Santé vor. Darin saß Nicolas Sarkozy, der berühmteste Häftling Frankreichs. Bilder davon, wie der Ex-Präsident die Haftanstalt betrat, gibt es nicht. Schwer bewaffnete Polizisten der Anti-Aufruhr-Einheit CRS schirmten den 70-Jährigen streng ab.

Sarkozy ist der erste ehemalige staatschef in haft

Sarkozy ist der erste ehemalige staatschef in haft

Denn Sarkozy ist der erste ehemalige Staatschef von frankreich, der eine Haftstrafe antreten muss. Hand in Hand mit seiner Frau Carla Bruni hatte der konservative Politiker um kurz nach neun Uhr sein Stadtpalais verlassen. Vor dem Anwesen im 16. Arrondissement applaudierten ihm rund hundert Anhängerinnen und Anhänger, die sein jüngster Sohn Louis zu einer Solidaritätsdemonstration zusammengerufen hatte.

Nachricht an seine landsleute

Nachricht an seine landsleute

Auf dem Weg ins Gefängnis veröffentlichte Sarkozy in den sozialen Netzwerken eine Nachricht an seine Landsleute: „Ich möchte ihnen mit meiner unerschütterlichen Kraft sagen, dass heute Morgen kein ehemaliger Präsident der Republik inhaftiert wird, sondern ein Unschuldiger“, schrieb er. Er werde gegen den „Justizskandal“ kämpfen.

Urteil und reaktionen

Urteil und reaktionen

Ein Pariser Strafgericht hatte Sarkozy Ende September wegen illegaler Finanzierung seines Wahlkampfs 2007 aus Libyen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er wurde für schuldig befunden, mithilfe einer kriminellen Vereinigung Wahlkampfhilfe in einem Terrorstaat gesucht zu haben. „Sarko“ zweifelte das Urteil an, das eine sofortige Vollstreckung vorsah.

Sarkozy im gefängnis

„Ich bin nicht zu beklagen, denn meine Frau und meine Kinder sind an meiner Seite“, versicherte Sarkozy in seiner Mitteilung. Tatsächlich hatten sich am Morgen seine drei erwachsenen Söhne mit Frauen und Kindern sowie die 14-jährige Tochter Giulia zum Abschied versammelt. Am Samstag hatte die Familie noch Giulias 14. Geburtstag gefeiert.

Das leben hinter gittern

Der ehemalige Präsident, der bereits in einer Abhöraffäre verurteilt worden war, darf in Haft zweimal pro Woche seine Angehörigen sehen. Die Besuchszeiten sind so gelegt, dass Carla Bruni und die Kinder keine anderen Familien treffen. Sarkozy sitzt in einer Einzelzelle im Isoliertrakt des Gefängnisses. Auch er wird keine anderen Häftlinge kreuzen; selbst Spaziergänge und Sport muss er alleine machen. So soll verhindert werden, dass Fotos des einst mächtigsten Mannes des Landes in Haft in Umlauf kommen.

Sonderbehandlung

Eine Sonderbehandlung bekommt der prominente Gefangene allerdings nicht. Seine Zelle ist wie die anderen rund neun Quadratmeter groß mit einem hoch oben angebrachten Fenster, einem Schreibtisch, einem Regal, einem Waschbecken, einer Dusche und einem Klo. Einen Kühlschrank kann er für 7,50 Euro und einen Fernseher für 14,50 Euro im Monat dazu buchen. Sarkozy hat auch ein Festnetztelefon mit mehreren vorab registrierten Nummern, die er so oft anrufen darf, wie er will. Er kann dabei allerdings abgehört werden. Nur die Gespräche mit seinen Anwälten sind geheim.

Sarkozy im gefängnis

„Ich habe keine Angst vor dem Gefängnis. Ich werde den Kopf hoch tragen“, sagte Sarkozy am Sonntag in der „Tribune Dimanche“. Der Ex-Präsident will die Zeit nutzen, um ein Buch zu schreiben. Ins Gefängnis nahm er drei Bücher mit, darunter den Roman „Der Graf von Monte Christo“ und eine Jesus-Biografie. Laut seinem Anwalt packte er auch warme Pullover und Ohrstöpsel ein, denn die Nächte in Haft sind kalt und laut. Das Santé-Gefängnis wurde 2019 renoviert, ist aber völlig überbelegt und schlecht isoliert. Häftlinge sollen Rasierschaum in die Fensterritzen schmieren, um sie abzudichten.

Reaktionen und weitere entwicklungen

Emmanuel Macron empfing Sarkozy am Freitag (17. Oktober) im Elysée-Palast. Die Begegnung, die offenbar die Solidarität des Präsidenten zeigen sollte, sei „normal“, rechtfertigte sich Macron hinterher. „Es steht mir nicht zu, die Justizentscheidungen zu kommentieren oder zu kritisieren. Ich bin der Garant des guten Funktionierens der Institutionen, auch wenn ein ehemaliger Präsident betroffen ist“, sagte der Staatschef am Dienstag (21. Oktober) bei einem Besuch in Slowenien. Sarkozys Anwälte beantragten sofort nach Haftantritt die Freilassung. Das Berufungsgericht braucht in der Regel ein bis zwei Monate, um darüber zu entscheiden. Sarkozy könnte also je nach Urteil zu Weihnachten wieder zu Hause sein.