Bernd Staatz: Der Maskenbildner der Deutschen Oper am Rhein schminkt einen Totenkopf
Ein skelett für die ard-krimireihe „tatort“
Bernd Staatz, ein erfahrener Maskenbildner, hat kürzlich für die ARD-Krimireihe „Tatort“ ein Skelett geschminkt. In der Folge „Colonius“, die in Köln spielt, wird eine 25 Jahre alte skelettierte Leiche im Fernsehturm gefunden. Staatz, der nebenberuflich Make-ups fürs Fernsehen und Puppenperücken für das Hänneschen-Theater fertigt, ist seit 20 Jahren Chefmaskenbildner der Deutschen Oper am Rhein.
Chefmaskenbildner der rheinoper
Staatz hat für seine Arbeiten die „Goldene Maske“ gewonnen und Standardwerke für die Maskenbildner-Ausbildung verfasst. Schönheit spielt in seinem Metier eine untergeordnete Rolle. Menschen für die Rheinoper alt oder fantasievoll-schaurig zu machen, ist wichtig. „Während man für Filme für einen alten Menschen einen älteren Schauspieler nimmt, werden auf den Bühnen ja keine 80-jährigen Sänger oder Tänzer engagiert“, sagt Staatz.
Der totenkopf
Staatz hat einen Totenkopf geschminkt. „Das können auch Laien“, sagt er. Ein Totenkopf ist schaurig-schön, praktikabel und vermittelt Anatomie-Kenntnisse. „Wo sind Augen, Nase, Mund, Kiefer. Da kann jeder leicht in seinem eigenen Gesicht die Knochen ertasten“, sagt Staatz. „Wir haben viel gelacht bei der Aktion und etwa 20 Minuten gebraucht.“
Was man braucht
Der Totenkopf hat noch einen Vorteil: Man braucht keine große Farbpalette. „Es reichen im Grunde drei Farben: Schwarz, Weiß und eine hautfarbene Grundierung. Puderschminke würde ich nicht nehmen. Aber von hautechter Wasserfarbe bis zu Fettschminke kann man alles nehmen, was es so auf dem Markt gibt“, sagt Staatz. Wasserschminke sei für Kinder sinnvoll, weil sie eintrockne und nicht verschmiere, wenn man mit der Hand ins Gesicht komme. Außerdem brauche man einen breiten und einen flachen Pinsel und ein Schwämmchen für die Grundierung.
Der anfang
Mit einem feuchten Schwämmchen wird eine Hautfarbe grob auf dem Gesicht verteilt. „Das kann ruhig fleckig sein. Ein Totenkopf ist ja auch nicht makellos“, sagt Staatz. Grundsätzlich gilt: „Weiß lässt Gesichtspartien hervortreten, also in dem Fall die Knochen. Schwarz lässt zurücktreten, verschwinden, wirkt wie ein Radiergummi“, erklärt der Maskenbildner.
Jochbein und kinnlinie
Etwa auf Höhe der Augen, oberhalb des Ohres wird vom Grübchen an der Schläfe angefangen zum Jochbein hinunter und von dort zurück zum Haaransatz eine geschwungene schwarze Linie gezeichnet und schwarz ausgemalt. „Am besten vorher mit den Fingern abtasten“, sagt Staatz. An der Kinnlinie entlang – vor und hinter dem Ohr beginnend – wird geschwärzt bis zur Kinnmitte. „Dort zeichnet man eine kleine Spitze ein, so ein Grübchen. Den ganzen Hals kann man dann schwärzen.“
Die knochen hervorheben
Durch die weiße Farbe werden nun die Gesichtsknochen hervorgehoben. Sie wird auf den nicht geschwärzten Gesichtspartien aufgetragen. Um die Augen herum entstehen so tief liegende Augenhöhlen, das Jochbein, ein Streifen über dem Nasenbein, das Kinn und der Kieferknochen.
Ein breites grinsen
Für die extra-breite Zahnreihe braucht es erst eine Mundlinie. „Man verlängert die Linie zwischen den Lippen. Entweder gerade Linie oder leicht nach oben gebogen.“ Nun einmal lachen! „Jetzt kann man sich an der Größe der Schneidezähne orientieren. Eher noch breiter, sonst hat man hinterher viele kleine Zähne wie in einem Haifischgebiss“, rät Staatz. Die Zähne male man mit dem flachen Pinsel wie kleine Häuser, unten Rechteck, oben ein flaches Dreieck. Schwarze Kontur, kräftig weiß ausgemalt. Auch schön grässlich: einen Schneidezahn weglassen.
Und wie bekommt man es wieder ab?
„Fertig“, sagt Staatz, der sich in der Hutmacherei der Oper noch einen Udo-Lindenberg-Hut und in der Herren-Solomaske eine Perücke gegriffen hat. So ein Skelett kann aber eigentlich alles tragen: „Einen Hut von Papa, einen Blaumann, einen Jutesack, eine Mülltüte. Man kann sich die Haare weiß färben. Da kann man sich richtig austoben“, sagt Staatz. Für die Sängerinnen, Sänger, Tänzerinnen und Tänzer sei das Schminken im Übrigen wichtig, um vor einer Vorstellung in die Rolle hineinzuwachsen. Zum Abschminken hinterher könne man Vaseline verwenden, wenn man Fettschminke verwendet habe. Bei Wasserschminke hat man es nicht so leicht. Da braucht man Wasser, Seife und muss mitunter rubbeln, was auch gruselig werden kann.