NASA plant neue Mondlandefähre auszuschreiben

Nasa plant neue mondlandefähre auszuschreiben

In US-Fachmedien und -kreisen wurde darüber seit einiger Zeit diskutiert, nun ist es passiert. Der amtierende kommissarische Leiter der US-Weltraumbehörde NASA, US-Verkehrsminister Sean Duffy, hat in einem Gespräch mit dem Sender Fox News angekündigt, die Mondlandefähre neu auszuschreiben.

Spacex und die mondlandefähre

Spacex und die mondlandefähre

Die sollte bislang das US-Unternehmen SpaceX von Elon Musk bis 2027 bauen, nachdem es im Jahr 2021 die erste Ausschreibung über mehrere Milliarden US-Dollar gewonnen hatte. Basis dafür sollte die Riesen-Rakete Starship sein. Allerdings macht das Startsystem nur langsam Fortschritte. Bislang gab es elf Testflüge, zuletzt im Oktober. Aber SpaceX musste insbesondere mit der "Block 2"-Variante mehrere Rückschläge hinnehmen, was die Entwicklung verzögerte.

Artemis-programm

Mit der Rakete SLS wird die Orion-Kapsel zum Mond gebracht. Die bietet Platz für vier Astronauten. Zwei davon sollen für eine Mondlandung in eine Fähre umsteigen. Die wird unabhängig von der SLS starten. Erst im Mondorbit dockt die Orion-Kapsel an der Fähre an.

Zeitplan

Im November 2022 startete die unbemannte Artemis-I-Mission, bei der die Orion-Kapsel den Mond umrundete. Nächstes Jahr sollen vier Astronauten bei der Artemis-II-Mission in einen Mondorbit eintreten und ohne Landung zur Erde zurückkehren. Die Artemis-III-Mission mit Mondlandung soll dann 2027 stattfinden. Realistischer scheint aber 2028 zu sein.

Rückschläge und zeitverzögerungen

Noch immer scheint zu vieles offen zu sein, beispielsweise die vorgesehene Betankung im Erdorbit. Die nächsten Flüge möchte SpaceX mit der finalen Version des Starships absolvieren, was wahrscheinlich mit weiteren Rückschlägen verbunden sein wird. Das ist nichts Ungewöhnliches, kostet aber Zeit. Danach muss für die Mondlandefähre mit dem Namen HLS (Human Landing System) noch eine neue, gewichtsreduzierte Variante entwickelt werden. Dazu kommt der erhebliche Aufwand, die Astronauten für die Mondlandung mit dem HLS zu schulen; ebenso die NASA-Ingenieure, die den Flug betreuen werden.

Chinesische konkurrenz

Es ist kaum noch realistisch, dass SpaceX bis 2027 so weit ist, selbst 2028 scheint mittlerweile optimistisch. Und mit jedem Tag wächst die Sorge der US-Regierung und der Abgeordneten, dass China die Vereinigten Staaten schlagen und vor ihnen auf dem Mond landen wird. Die asiatische Großmacht peilt offiziell das Jahr 2030 an; tatsächlich wird aber eher von 2029 ausgegangen. Da feiert China das 80-jährige Jubiläum der Volksrepublik. Bislang macht das Land stetig Fortschritte bei dem Plan, mit eigenen Astronauten auf dem Mond zu landen.

Alternative anbieter

Sean Duffy musste also reagieren. Tatsächlich gibt es neben SpaceX weitere potenzielle Kandidaten für eine Mondlandung. Blue Origin ist das Raumfahrtunternehmen des Amazon-Gründers Jeff Bezos. Das hatte erfolglos gegen die NASA geklagt, weil SpaceX die erste Ausschreibung gewonnen hatte. Allerdings bekam Blue Origin den Zuschlag für die "Artemis-V-Mission", die derzeit noch für 2030 vorgesehen ist. Dann soll die eigene Fähre "Blue Moon" zum Einsatz kommen. Eine unbemannte Testversion (Mark I) soll bereits nächstes Jahr mit der selbst entwickelten Rakete "New Glenn" zum Mond starten und dort landen.

Zukunft der mondlandefähre

Das könnte die Basis sein, um schnell eine funktionierende Mondlandefähre für die Artemis-III-Mission zu bauen. Aber auch etablierte Raumfahrtunternehmen wie Lockheed Martin könnten in den Wettbewerb einsteigen. Das baut bereits die Orion-Kapsel für das Artemis-Programm. Und Grumman, heute Northrop Grumman, hatte einst die Mondlandefähren für die Apollo-Missionen entwickelt. Auf der Basis wäre eine neue Version möglich. Daneben stehen Raumfahrt-Start-ups wie Intuitive Machines, Firefly und Astrobotic. Sie arbeiten mal mehr, mal weniger erfolgreich an Mondsonden, könnten aber ebenfalls Ambitionen zeigen.

Chinesische mondmissionen

Allerdings müsste bei allen Alternativen zu SpaceX die Artemis-III-Mission deutlich abgespeckt werden. Am Ende stünde eine Mondlandung, bei der es fast nur noch darum ginge, vor China am Südpol des Mondes zu sein und die US-Flagge in den Boden zu rammen. Danach würde man weitersehen. Die derzeitigen Budget-Pläne der NASA sehen vor, zukünftige Mondmissionen ohnehin privaten Unternehmen zu überlassen.

Reaktionen und zukunftsperspektiven

Aber auch eine chinesische Mission wäre nicht mehr als ein Beweis, dass man Menschen zum Mond bringen kann. Zwar hat das Land langfristige Pläne für eine Mondbasis. Die lassen sich aber erst umsetzen, wenn die Schwerlast-Rakete "Langer Marsch 9" starten kann. Das wird weit nach 2030 der Fall sein.

Elon musks reaktion

Und wie reagiert Elon Musk auf die Ankündigung Duffys? Auf seiner Social-Media-Plattform "X" wirft er "Blue Origin" vor, noch keine sinnvolle Nutzlast in einen Erdorbit gebracht zu haben oder auf dem Mond gelandet zu sein. Jede Abkehr von den Plänen mit dem Starship und dem HLS sei nur eine Wiederholung des Alten.

Nasa und zukünftige entscheidungen

Das könnte einen weiteren Grund geben, warum Sean Duffy vorgeprescht ist. Er ist kommissarischer Leiter der NASA und möchte die US-Weltraumbehörde auch weiterhin führen. Doch in jüngster Zeit wird erneut der Name Jared Isaacman ins Spiel gebracht: Der Milliardär und Astronaut ist ein Musk-Freund und war bereits im Dezember 2024 von Donald Trump als designierter NASA-Chef verkündet worden. Als es zum Zerwürfnis zwischen Musk und dem US-Präsidenten kam, warf dieser Isaacman plötzlich eine zu große Nähe zu den Demokraten vor. Seine Nominierung wurde zurückgezogen. Jetzt scheint Isaacman wieder im Gespräch dafür zu sein.

Fazit

Duffy präsentiert sich nun als jemand, der harte Entscheidungen trifft und Ergebnisse einfordert. Nach Angaben der NASA sollen SpaceX und Blue Origin bis zum 29. Oktober ihre Ideen einreichen, wie sich die Pläne für eine Mondlandung beschleunigen lassen.