Was stimmt nicht mit dem Kuckuck?
Ein rätsel der natur
Man fragt sich, was mit dem Kuckuck nicht stimmt, wenn er seine Eier von fremden Vögeln ausbrüten und aufziehen lässt, deren eigene Brut dann obendrein vom Jungvogel aus dem Nest befördert wird.
Bedrohte art
Mindestens ebenso wichtig ist es jedoch, zu verstehen, warum der Kuckuck hierzulande vom Aussterben bedroht ist. Darüber unterhält sich Moderatorin Ursula Weidenfeld anlässlich der „Woche der Artenvielfalt“ in der jüngsten Folge des RP-Wissenspodcasts „Tonspur Wissen“ mit Till Töpfer, Ornithologe am Bonner Naturkundemuseum König.
Angeborene fähigkeiten
Töpfer ist sich sicher: Ein Kuckuck weiß von Geburt an, dass er ein Kuckuck ist. Der bekannte Ruf sei angeboren – unbeeinflusst vom Gesang der Wirtseltern, den der junge Kuckuck allerdings zu imitieren lerne. Auch das Zugverhalten stecke dem Kuckuck, der in der Regel in Zentralafrika überwintere, in den Genen.
Wirtsvögel
Dem Kuckuck stehen verschiedene Vogelarten als Wirtseltern zur Verfügung. Ein bestimmtes Kuckucksweibchen entscheidet sich aber stets für dieselbe Art. „Der Kuckuck bekommt mit, was seine Wirtseltern sind, und wird genau diese Art wieder aussuchen“, folgert Töpfer.
Evolutionäres wettrennen
Darin, dass Kuckuckseier optisch den Eiern der Wirtsvögel ähneln, sieht Töpfer das „Resultat eines evolutionären Wettrüstens zwischen Wirtsvogelarten und Kuckucken“. Um sein Ei unbemerkt in ein geeignetes Nest zu legen, müsse der Kuckuck viel Zeit und Energie investieren, so der Experte.
Abwehrmechanismen
Wirtsvögel hätten ihrerseits Abwehrmechanismen entwickelt: So versuchten sie, erwachsene Kuckucke zu vertreiben, und seien für die größeren, anders gemusterten oder gefärbten Kuckuckseier sensibilisiert. „Komischerweise passiert kaum noch eine Ablehnung, wenn das Kuckucksjunge einmal geschlüpft ist“, sagt Töpfer.
Menschengemachte faktoren
Menschengemachte Faktoren stellten dieses Erfolgsmodell jedoch infrage. „Eigentlich ist der Kuckuck, was den Lebensraum angeht, ein Generalist. Aber in den letzten drei Jahrzehnten hat man erhebliche Bestandseinbrüche festgestellt“, berichtet Töpfer. Der Umstand, dass viele Wirtsvögel aufgrund kürzerer und milderer Winter ihre Eier früher legen und der Kuckuck deswegen immer öfter zu spät kommt, sei ein Faktor. Viele Forschungsergebnisse deuten Töpfer zufolge auf einen anderen Hauptgrund hin: Da immer mehr Arten infolge von Klimawandel und intensivierter Landwirtschaft sterben würden, fehle dem Kuckuck weltweit Nahrung.
Bedrohte zukunft
Eine Tierart, die fest im kollektiven Bewusstsein verankert ist, droht für immer zu verschwinden.