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Karen Bülles: Retterin der Wildvögel

Ein tag bei karen bülles

Für Karen Bülles beginnt der Tag um fünf Uhr morgens. Während andere noch schlafen, kontrolliert sie Futter, Wasser, Medikamente und Verbände – bei Schwalben, Eulen, Bussarden oder Schwänen. Feiertage kennt sie nicht. Jeder Vogel, der ihr gebracht wird, ist krank, verletzt oder zu jung, um allein zu überleben. "Mein Ziel ist immer, sie gesund in die Freiheit zu entlassen", sagt die 56-Jährige. Nur wenige bleiben dauerhaft, weil sie nach schweren Verletzungen nie mehr in der Wildbahn bestehen können.

Die private wildvogelhilfe karen bülles

Die private wildvogelhilfe karen bülles

Seit 2015 führt sie die "Private Wildvogelhilfe Karen Bülles". Zunächst in Alsdorf-Warden, nach dem Umzug 2020 nun in Heinsberg-Kempen. Dort haben Karen und ihr Mann Markus ein Haus mit großem Gartengrundstück gekauft – naturnah gelegen zwischen Wurm und Rur. Sie renovierten Räume, bauten Außengehege und richteten zwei Anbauten als Aufzucht- und Rehabilitationsstationen ein. Bis zu 50 Vögel finden dort Platz, in Notfällen auch mehr, was eine geschickte Planung voraussetzt. Ein weiterer Raum dient als Quarantänestation. Viel wurde in Eigenleistung gebaut, unterstützt von wenigen Ehrenamtlichen und Spenden. Rund drei Viertel der Kosten tragen die Bülles privat. "Wir brauchen schon den Gegenwert eines Mittelklassewagens im Jahr", verdeutlicht sie die Dimensionen.

Die arbeit mit den vögeln

Aktuell betreut Karen knapp 80 Tiere – von Schwalben über Krähen und Reiher bis zu Bussarden. Tierarztkosten? Bleiben oft an ihr hängen. Eine finanzielle Entschädigung erhält sie selten, obwohl Behörden, Jäger und Privatpersonen regelmäßig verletzte Tiere bringen. Die Zahl der Pfleglinge steigt. Klimawandel und Brutverluste führen dazu, dass Zugvögel zweimal im Jahr brüten. Viele Jungtiere sind im Herbst noch nicht flugtauglich und würden erfrieren oder verhungern. 2024 nahm Karen 61 Rauch- und Mehlschwalben auf, dazu Mauersegler. In einem temperierten Zimmer können sie fliegen, Insekten jagen oder werden per Hand gefüttert. Nach der Frühjahrsmauser öffnet Karen das Fenster – und die gesunden Vögel kehren in die Freiheit zurück. Ein Moment, der sie jede Mühe vergessen lässt.

Auszeichnung für das engagement

Damit ihr Engagement für die Schwalben sichtbar wird, wurde Karen Bülles jetzt ausgezeichnet. Birgit Lautenbach, Vorsitzende des Nabu Wegberg, überreichte ihr die Plakette und Urkunde "Schwalbenfreundliches Haus". Nicht nur, dass im Aufzuchtraum Dutzende Jungschwalben umherfliegen, gefüttert und gepflegt werden – auch außen am Gebäude hängen Nisthilfen, die von Mehlschwalben und Rauchschwalben gern angenommen werden. Damit erfüllt die Wildvogelstation alle Kriterien, mit denen der Nabu bundesweit Menschen auszeichnet, die Schwalbennester an oder in ihren Häusern nicht entfernen, sondern schützen, fördern und erhalten. Ein Zeichen gelebten Naturschutzes im Kleinen – und ein Appell an andere Hausbesitzer, diesem Beispiel zu folgen. Denn Schwalben finden heute immer seltener geeignete Brutplätze. Versiegelte Flächen, fehlender Lehm und moderne Gebäudegestaltung lassen Nistmöglichkeiten verschwinden. Wer Nester duldet oder sogar aktiv neue schafft, bewahrt ein Stück Artenvielfalt und gibt den Tieren eine Zukunft.

Herausforderungen und zukunftsperspektiven

Und eine Zukunft will sie all ihren Schützlingen ermöglichen: Nach Kollisionen mit Autos, Fenstern oder Angriffen von Katzen finden Vögel jeder Art bei ihr Hilfe, sogar ein Eisvogel befindet sich derzeit in ihrer Obhut. Brüche werden geschient, Wunden versorgt, Federn wachsen neu. Ohne diese Pflege hätten viele keine Überlebenschance. Dennoch stößt die engagierte Tierfreundin an Grenzen. "Ich habe einen Aufnahmestopp. Wenn sich niemand findet, der hilft, kann ich mich irgendwann nur noch um Greifvögel und Eulen kümmern", sagt sie. Das Problem: Es fehlt an Menschen, Zeit und Geld. "Ich brauche täglich drei Personen, die für drei Stunden mit anpacken – Futter geben, Volieren reinigen, Verbände wechseln." Doch die Angebote seien oft entweder absurd oder blieben ganz aus. Was sie wirklich braucht, sind zuverlässige Helfer – gerne mit Ausbildung als Tierpfleger oder tiermedizinische Fachangestellte, aber auch handwerklich geschickte Menschen für Reparaturen.

Finanzielle belastung und unterstützung

Die finanzielle Belastung ist enorm. Futter, Tierarzt, Medikamente – die jährlichen Kosten liegen im mittleren fünfstelligen Bereich. Öffentliche Unterstützung gibt es nicht. Wer helfen möchte, kann über den BUND NRW mit dem Verwendungszweck "Wildvogelstation Karen Bülles" spenden. Auch Spendenquittungen sind möglich. Infos unter aachen-land.bund.net.

Fazit

Warum staatliche Stellen Tierretter wie Karen Bülles kaum fördern, bleibt eine drängende Frage. Denn während Lebensräume durch Bauvorhaben, Straßen, intensive Landwirtschaft oder Energieanlagen schwinden, kämpfen Idealisten wie sie für jedes einzelne Tier. Ihr Einsatz zeigt: Artenschutz beginnt nicht nur in großen Projekten, sondern im eigenen Garten – mit Mut, Mitgefühl und einem offenen Fenster in die Freiheit.