Chris de Burgh: Ein Abend in Düsseldorf
Ein künstler ohne coolness
Der Coolness-Faktor ist es eher nicht, der die Menschen seit Jahren zu Chris de Burgh zieht. Das hat nichts mit dem Alter des Künstlers zu tun; mit seinen 77 Jahren ist er bestens aufgelegt. Doch als sonderlich lässig galt seine Musik wirklich nie: sanfte Melodien und lyrische Texte, die manchmal ganze Geschichten erzählen, Märchen, Fantastisches. Nicht zuletzt sein größter Hit „Lady in Red“ hat dazu beigetragen, dass so mancher den Iren in die Schnulzenschublade steckt.
Beliebtheit und karriere
Fest steht jedenfalls, dass sich auf die Melodien des Iren viele Menschen einigen können; und das schon seit langer Zeit. 1974 erschien sein erstes Studioalbum „Far beyond these Castle Walls“; ein halbes Jahrhundert später ist er mit den großen Hits seiner Karriere auf Tour. Die führt ihn vor allem durch Deutschland, wo er besonders beliebt ist; in Görlitz war er schon, in Regensburg und Baden-Baden, in den nächsten Tagen geht es weiter nach Berlin, Hamburg, München. Im kommenden Jahr sind Auftritte in Kanada geplant.
Einzigartiges konzert in düsseldorf
Nun aber der seit Wochen ausverkaufte abend in der Tonhalle in Düsseldorf, ganz allein ohne Begleitmusiker. 330 Songs hat er über die Jahre geschrieben, und er werde sie alle spielen, sagt er an die Besucherinnen und Besucher gewandt, die ihn gleich mit stehendem Applaus begrüßt haben. „Es wird ein langer abend. Wir nehmen dann um 6.30 Uhr ein schönes Frühstück ein.“ Da hat er schon die Lacher auf seiner Seite, und auch die Sympathien, als er erzählt, wie gern er wieder in Düsseldorf sei, „ich komme seit vielen Jahren her.“
Ein abend wie im pub
Ein Konzert wie ein abend im Pub – nur besser und lauter. Alle 330 Songs spielt er dann doch nicht, aber er schöpft mit vollen Händen aus diesem großen Fundus. Sein Auftakt-Stück „Hands of Man“ stammt aus dem Jahr 2014, „The same Sun“ ist ganze 15 Jahre älter, „Missing You“ noch einmal weitere elf – und so geht es weiter durch die Jahrzehnte. Der Künstler begleitet sich gemäß dem Konzept der Tour selbst auf dem E-Piano und der Gitarre und gibt seinen Kompositionen damit ein neues, reduziertes Gewand – einige Male greift er dann aber doch auf Playback zurück, wo er auf die aufwendigeren Arrangements nicht verzichten mag.
Verbindung mit dem publikum
Die Verbindung mit dem Publikum gelingt de Burgh jedenfalls mühelos. Große Showeinlagen sind nicht seins, freundliche Scherze mit seinen Zuhörern aber schon – etwa als nach den ersten beiden Songs einige Zuspätkommer ihre Plätze in der ersten Sitzreihe suchen und er sie winkend einweist. Oder als er Rosen von weiblichen Fans entgegennimmt und in Anspielung auf eine seiner bekannten Textzeilen philosophiert, nun fehle ihm aber noch der passende Wein. Oder als er später auf der Gitarre die ersten Akkorde berühmter Hits anderer Künstler anspielt, sich jedes Mal lächelnd unterbricht und dann doch mit seinem eigenen Erfolgsstück „A Spaceman came Travelling“ den Schlussspurt einläutet.
Dankbarkeit und liebe
Chris de Burgh, und das ist die Antwort auf die Frage nach seinem Rezept, mag nicht mit Coolness so erfolgreich geworden sein. Im Gegenteil: Es ist die große Wärme, die er seinen Fans entgegenbringt. Es brauche zwei Dinge, um so lange im Musikgeschäft erfolgreich zu sein, sagt er denn auch ins Mikrofon: erstens ein bisschen Talent, „aber vor allem geht es nicht ohne eure Liebe und Unterstützung.“
Großes finale
Zum Dank dafür lässt der Star im großen Finale keinen seiner großen Hits fehlen: „Don’t pay the Ferryman“ ist natürlich dabei, auch „High on Emotion“, obwohl der 77-Jährige bei den hohen Tönen inzwischen mehr Mühe hat als früher, was man ihm aber nicht übel nimmt. Und dann natürlich „Lady in Red“, für das er wieder auf Playback zurückgreift, aber im Saal wird ohnehin schmachtend jede Zeile mitgesungen. Paare kuscheln, einige Damen haben sich eigens in rote Kleider oder Pullover gehüllt.
Abschluss und dankbarkeit
Mehr als zwei Stunden dauert der abend, und am Ende wirkt der 77-Jährige immer noch eher gerührt von soviel Fanliebe als erschöpft. Noch einige Zugaben und das Versprechen, dass er wiederkommt, dann erst verschwindet Chris de Burgh hinter der Bühne. Und die Rosen nimmt er auch mit.