Anstieg der Einkommensmillionäre am Niederrhein trotz globaler Krisen

Trotz globaler krisen

Trotz anhaltender globaler Krisen wie Kriegen, Lieferengpässen und hoher Inflation ist die Zahl der Einkommensmillionäre am Niederrhein erneut gestiegen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts für das Steuerjahr 2021 hervor.

Zahlen des statistischen landesamts

Zahlen des statistischen landesamts

Demnach haben in Krefeld und im Kreis Viersen 234 Menschen mindestens eine Million Euro an Jahreseinkommen erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein deutlicher anstieg, damals wurden 202 Einkommensmillionäre gezählt.

Besonders auffällig: kreis viersen

Besonders auffällig ist die Entwicklung im Kreis Viersen, wo die Zahl der Einkommensmillionäre von 111 auf 128 gestiegen ist. Dabei gibt es innerhalb des Kreises unterschiedliche Entwicklungen. Die Stadt Willich etwa verzeichnet mit Abstand den größten Zuwachs: Die Zahl der Einkommensmillionäre stieg von 17 auf 29. Das entspricht einem Wachstum von fast 60 Prozent.

Willich: spitzenreiter im kreis

Willich ist innerhalb des Kreises in absoluten Zahlen Spitzenreiter. In Bezug auf die Einwohnerzahl liegt bei der Millionärsdichte aber nach wie vor Kempen vorne. In Tönisvorst bleibt mit neun Einkommensmillionären alles beim Alten.

Info: zahlen im Überblick

  • Kempen: 23 Einkommensmillionäre (2021), 25 (2020)
  • Grefrath: 5 Einkommensmillionäre (2021), 6 (2020)
  • Tönisvorst: 9 Einkommensmillionäre (2021 und 2020)
  • Willich: 29 Einkommensmillionäre (2021), 17 (2020)

Bundesebene: deutlicher anstieg

Auch auf Bundesebene hat die Zahl der Einkommensmillionäre deutlich zugenommen. In Deutschland waren es bei der letzten Erhebung 34.500.

Armut in deutschland

Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 stieg die Armutsquote von 2023 auf 2024 um 1,1 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent, was 13,1 Millionen Menschen entspricht. Die hohe Inflation habe insbesondere einkommensschwache Haushalte getroffen.

Erklärung des anstiegs

Nico Hüsch, Geschäftsführer und unabhängiger Finanzberater der Nico Hüsch GmbH in Kempen, erklärt: „Die Kaufkraft einer Million ist heute niedriger als vor zehn Jahren. Nominale Einkommensschwellen werden dadurch schneller gerissen.“ Die Verbraucherpreise seien 2021 im Jahresdurchschnitt um 3,1 Prozent gestiegen, 2022 sogar deutlich kräftiger. Die Statistik arbeite mit nominalen Einkünften; inflationsbedingte Lohn‑, Gewinn‑ und Kapitalertragsanstiege lassen mehr Fälle über die Million rutschen.

Erbschaften als faktor

Ein weiterer Grund sei, dass auch Erbschaften eine Auswirkung auf die Statistik haben, obwohl in dieser nur Einkommensmillionäre erfasst werden. „Nicht das Erbe selbst ist relevant für die statistische Auswertung der Einkommensmillionäre, wohl aber laufende Erträge daraus“, sagt Hüsch. „Etwa Zinsen, Dividenden oder Mieten.“ Ein Erbe nach dem Tod eines Angehörigen unterliegt nicht der Einkommensteuer. Einkommensteuerpflichtig sind aber die Erträge aus dem geerbten Vermögen, also etwa Zinsen aus angelegtem Geld. In Deutschland wird zunehmend geerbt: 2023 lagen sogenannte steuerlich berücksichtigte Vermächtnisse bei 61,2 Milliarden Euro, das sind 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Haushaltslage im kreis viersen

Obwohl im Kreis Viersen immer mehr Einkommensmillionäre leben, sieht die Haushaltslage nach wie vor nicht rosig aus. Für das Haushaltsjahr 2025 stehen Einnahmen in Höhe von rund 516 Millionen Euro Ausgaben in Höhe von etwa 537 Millionen Euro gegenüber. Das macht ein Minus von rund 21 Millionen Euro. Doch damit steht der Kreis Viersen nicht alleine da. Kommunen in Deutschland haben für das vergangene Jahr ein Rekorddefizit in Höhe von 24,3 Milliarden Euro im Kernhaushalt zu beklagen. Steigende Sozial- und Personalkosten sind Hauptursachen, während ein hoher Investitionsstau und schwache Konjunktur die Situation verschärfen.